Mittwoch, 19. März 2014

Holi

Happy Holi! - Was man in den letzten Jahren von Holi-Techno-Farben-Festivals in Deutschland sehen oder erleben konnte, erfuhren wir über einen Zeitraum von 14 Tagen in Nepal. Auf dem Rückweg von Kathmandu nach Bhaktapur wurde für mich die Saison in Form eines auf meinem Rücken zerplatzten Schlammbeutels eröffnet. Während ich mich über freche Kinder beschwerte und mir einen dicke Erkältung zuzog, da ich meinen weiteren Heimweg aus geruchsbedingten Gründen ohne Pullover hinter mich bringen musste, erklärte unser Gastfamilie amüsiert, dass die Kinder lediglich mit mir Holi "spielen" wollten.

Dass das Holifestival eigentlich erst zwei Wochen später stattfinden sollte und es außer am Holitag selbst, strengstens verboten ist, andere Menschen mit Wasser oder Farbe (ob Matsch eine Sonderregelung darstellt mag ich bezweifeln) abzuwerfen und dies sogar strafrechtlich von der Polizei verfolgt werden kann, wird von nepalesischen Kindern weitestgehend ignoriert.

So konnten wir beobachten, dass die Kinder - aus schierer Vorfreude - im Laufe der Zeit zunehmend außer Kontrolle gerieten. Während wir technische Geräte möglichst zu Hause ließen und Stadtbesuche weitestgehend vermieden (böse Blicke und ein: "If you throw i will call the police" halfen leider nur in 50 Prozent der Fälle) entwickelte sich unser Schulhof zunehmend zu einem Wassererlebnisspielplatz, den selbst der Schulleiter nicht mehr im Griff zu haben schien.

Da Widerstand zwecklos, ließen wir uns auf die Vorfreude ein, bastelten mit den Kindern Holimasken und besorgten uns Farbe und Ballons für Gegenangriffe.


Als der große Tag gekommen war, zeigte uns unser 15-jähriger Bruder Rajiv und seine zehn bunt bemalten Freunde, wie auf dem Land traditionell Holi gefeiert wird.

Erkenntnis: Gruppen von bunt geschminkten Kindern bzw.Jugendlichen ziehen bewaffnet mit Wassertueten und Farben von Haus zu Haus, sammeln ihre Freunde auf, indem sie diese mit Wasser und Farbe überschütten und "happy holi!" (Nicht alle sehen nach der Ladung Wasser "happy" aus) wünschen. Interessant wird es, sobald sich die Wege zweier Gruppen kreuzen. Dann wird ein bunt-nasser Kampf ausgefochten, bei dem die größere Gruppe zumeist die größeren Erfolge verbucht. Dies wurde uns allzu deutlich, als wir uns von den Jugendlichen abseilten, um einer Verabredung zur Wasserschlacht bei einer befreundeten Familie nachzugehen. Entgegen kommenden Menschen auszuweichen schien zwecklos, schnell wurde man eingefangen und mit Farbe eingeseift, vor der selbst Mund, Ohren, Nase und Augen (auch meine Kontaktlinsen erhielten eine rote Färbung) nicht sicher waren. Die Prozedur wurde nur selten mit einem "May I?" eingeleitet, dessen Antwort noch seltener abgewartet wurde, aber immerhin von einem abschließendem "Happy holi! " begleitet wurde.




P.S. Die Geschichte auf der das Festival beruht: Prinz Prahlada verehrte den hinduistischen Gott Vishnu. Weil Prahlada dem König - seinem Vater - nicht die alleinige göttliche Ehre erwies, versuchte dieser seinen Sohn zu töten und forderte die böse Dämonin Holika - die durch besondere Kräfte vor dem Feuer geschützt war - auf, mit seinem Sohn auf dem Schoß ins Feuer zu springen und ihn zu verbrennen. Doch Vishnu konnte den Prinzen beschützen und die Dämonin besiegen, sodass der Prinz überlebte und Holika verbrannte.
Zur Erinnerung an den Sieg von Vishnu über das Böse feiern die Hindus jeden Frühling das Holi Festival.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen