Dienstag, 18. Februar 2014

Tag 26

Bisher war uns in Nepal nur die Sonne bekannt, die uns nach kalten Nächten tagsüber wärmen konnte. Als sich diese jedoch eine mehrtägige Pause gönnte, durften wir erleben was "Eiszeit" bedeutet. Ohne Heizung und mit dauerhaftem Durchzug, versteckten wir uns wann immer möglich unter Schlafsack und Decke im Bett. Während von Tag zu Tag das Bedürfnis nach einer warmen Dusche wuchs - wurde diese immer kälter (warmes Wasser gibt's nur in Verbindung mit ausreichend Sonne auf Solaranlage). So konnten wir uns jediglich zum Abendessen, bei welchem der warme Atem von allen durch die Küche dampfte, überwinden unser warmes Bett zu verlassen.
Anderen schien es ähnlich zu ergehen. So konnten wir in der Schule eine überdurchschnittlich hohe Abwesenheit von Kindern und Lehrern feststellen. Nur ein spontan gezündetes Feuer auf dem Schulhof versprach wärmende Wirkung, bevor man sich auf den Weg in glasfensterlose Klassenräume machte. Als ich mich mit den Zweitklaesslern mit Mützen und dicken Jacken hinter geschlossen Fensterläden und Türen verbarrikadierte, schützte  eine kleine Glühbirne zwar vor der absoluten Dunkelheit, nicht aber vor der Kälte.

Nachdem die dreitägige Eiszeit überwunden war, nutzen wir den aktuellen Feiertag, um nach Nagarkot (bekannt für seine spektakulären Sonnenaufgaenge) zu fahren. Als beim  "local bus" dorthin nur noch das Dach frei war, konnte uns der Busfahrerassistent (Aufgabe: Geld einsammeln & Menschen zusammendrücken, um Transportkapazitaeten zu erhöhen) mit seinem Werbespruch "on the roof you can see nice mountains" - nach kurzem Zögern - überzeugen, aufs Dach
zu klettern. Während mir Sabrina ihre Warnung von ihrem Nepalilehrer "Benutzt nie einen local bus - das ist viel zu gefährlich" mitteilte, überlegte ich ob diese Empfehlung auch für das dem Bus zugehörige Dach galt. Nachträgliche Erkenntnis: definitiv ja! Während einige Nepalesen wie Affen um uns herumkletterten, musste wir unsere verfügbaren Arm- und Beinmuskeln einsetzen, um den Bus bei Schlaglöchern und scharfen Kurven nicht unfreiwillig zu verlassen.
Nach einer Stunde Fahrt (bei ca. 40 Cent Fahrtkosten will man sich dann doch nicht beschweren) waren wir froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und konnten einen Sonnenunter-und aufgang sehen, der die Fahrt wert war. 




P.S. Lebensnotwendige Errungenschaft aus den Bergen: Warme Socken :)

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