Donnerstag, 13. Februar 2014

Tag 21

Während unser Schulalltag schnell voranschreitet, finden wir trotz eines straffen Tagesplans immer wieder Zeit für Ausflüge. Beispielsweise wenn sich in der Schule ostasiatischer Staatsbesuch ankündigt und dem Schulleiter plötzlich auffällt, dass es mal wieder Zeit wäre, das Schulgelände aufzuräumen. Demnach gab es 2 Tage lang den schulinternen Arbeitsauftrag: Sammelt alles (die Betonung liegt auf: Alles) was hier nicht hingehört und werft es ins Feuer.

Zusätzlich gibt es schulfrei, damit Schüler und Uniform mal wieder richtig gewaschen werden, was meiner Meinung nach regelmäßiger gestattet werden sollte,wenn man bedenkt, dass es meist nur eine Schuluniform, einen freien Tag pro Woche und definitiv keine Waschmaschine gibt.

Die freie Zeit wird von uns genutzt, um unseren kulturellen Horizont zu erweitern. So gingen wir zur heiligen Verbrennungsstaette der Hindus, bei der nach dem Glauben der Hindus der älteste Sohn der Familie das Feuer im Mund des Verstorbenen legt, damit die Seele des Toten aus dem Körper entweichen kann und für die Wiedergeburt frei gegeben wird. Hierbei sehr wichtig, dass die Leiche nach Todeseintritt so früh wie möglich zu einem heiligen Fluss gebracht, gereinigt und von den Angehörigen verabschiedet wird. Während mir diese Prozedur, insbesondere da es sich bei unserem Eintreffen um einen 26-jährigen Mann mit plötzlicher und unbekannter Todesursache handelte, sehr nahe ging (Sabrina reagierte als katholische Religionslehrerin wesentlich abgeklärter), konnte die nachbarschaftliche Hochzeit die Stimmung wieder heben.
Im Besonderes deshalb, weil es sich bei dieser um keine, wie üblicherweise von den Eltern - im Hinblick auf Kaste, Ausbildung und Familienruf - arrangierte Ehe hielt, sondern sich das Brautpaar selbst erwählt hatte. Das Bild des festlich geschmückten Paares, dass während seiner Hochzeit wie Götter behandelt wurde, war so beeindruckend, dass uns die weißen Socken in den blauen nike Sandaletten des Bräutigams nur leicht irritieren konnten.
Nachdem das Brautpaar 7-mal gemeinsam um ein Feuer gegangen war, war es nach dem Glauben der Hindus für die nächsten 7 Generationen - man kann nur hoffen, dass die richtige Partnerwahl getroffen wurde- miteinander verbunden. Dass der Kameramann uns während dieses wichtigen Rituals gefühlte 15 Minuten in Nahaufnahme filmte
empfand ich dann aber trotz der Tatsache, dass wir unter den 700 geladenen Gästen die einzigen Weißen waren, als etwas unpassend.

 Dem Brautpaar werden Hände und Füße gewaschen

Bhaktapur am Abend

Kommentare:

  1. Hey Eva,
    ist ja toll, was du schon alles erlebt hast! Bin richtig neidisch :)
    Bei der Hochzeit wär ich ja auch gerne dabei gewesen, aber um den Besuch von der mysteriösen Mäuseratte beneide ich dich nicht :D
    Verstehst du die Schüler denn mittlerweile besser? 50 Kinder in einer Klasse sind je echt beachtlich...

    Viele LG Simone

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  2. Mausratte wurde erfolgreich verbannt, nachdem alle offenen Stellen des Raumes mit Holzbalken vernagelt waren - taugten mehr als die Ziegelsteine, die die Mauseratte mit eigener Gewalt verschieben konnte :D
    Die Klassen sind zum Glück nur ab der 9. Klasse (64 Schüler) so voll. Heute hatte ich eine 5.Klasse, wo nur 2 Kinder waren (es war kalt und nass - Da haben viele keine Lust zur Schule zu gehen...vor allem weil viele Fenster kaputt sind...nach einer Heizung zu fragen wäre auch überflüssig...mhmpf)
    Meld dich mal wenn eure Pläne mit China stehen. Ich fände es richtig cool, wenn wir uns da treffen!!!Glg

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