Mittwoch, 26. Februar 2014

Tag 33

Als wir vor vier Wochen unser Schulgebaeude betraten, fiehlen uns sofort die stark renovierungsbeduerftigen (in Deutschland würden sie gerade mal als Kellerräume zweiter Wahl durchgehen - hier werden Sie als Klassenzimmer bezeichnet) - ich nenne sie mal ganz neutral - "Räume" auf.


Wir setzten uns daher schon früh das Ziel, gemeinsam mit den Schülern eine Etage von "Räumen" zu einem deutschen Verständnis von Klassenräumen umzumodulieren.
Basierend auf viel Kreativität und großzügigen Spendern (ein großes, dickes Dankeschön!!!) war es uns möglich einen realistischen Plan zu entwickeln und Farben für 4 Klassenräume zu besorgen. Ein zusätzlich angagierter Maler, welcher mit einem Lohn von ca. 8 Euro pro Tag mehr als zufrieden schien (wir im übrigen auch), machte sich zugleich mit großem Eifer an die Arbeit.

Die geplante räumliche Ausstattung mit Uhr, Weltkarte und
Abfalleimer (der Müll sollte zumindest vom Klassenraum zum schuleigenen Feuer transportiert werden können) ließ sich realisieren; ein Tischler kümmerte sich um eine handgemachte Pinnwand. Hier auch ein großes Dankeschön an unseren allzeit helfenden Anil (alleine hätten wir nicht nur zehnmal so viel bezahlt, sondern auch zehnmal so lange gebraucht!)

Mit unserer Arbeit stießen wir auf einen begeisterten Schulleiter, der sich motivieren ließ, man mag es beinahe kaum glauben: verschließbare! Klassentüren einzusetzen und das große Loch über der Tür (ich vermute ursprünglich sollte dort mal ein Glasfenster eingesetzt werden) zu zu nageln. Angenehmer Nebeneffekt: Die Freistunden der Nachbarklassen können keinen weiteren Einfluss mehr auf die Unterrichtsstunden der jeweilig unterrichteten Klasse nehmen.


Damit die neuen Räume möglichst langfristig erhalten bleiben, erarbeiteten wir mit den Kindern im Unterricht, woher und von wem die Spenden kommen und stellten Regeln für den Umgang mit Raum und Mitschülern auf. Zur zusätzlichen Zierde wurden Klassenfoto, Steckbriefe und Bilder für den neuen Klassenraum gemeinsam angefertigt.


Die Kinder sind überglücklich und sagen: 


Donnerstag, 20. Februar 2014

Tag 28

4 Wochen Nepal :) hier eine kleine Zusammenfassung


Bhaktapur

                     5. Klasse Englisch 


Nepalesische Hochzeit

Haus unserer Gastfamilie

Dachterrasse von unserem Haus


               Auf dem Weg zur Schule


2. Klasse: social science

Stammcafe in Bhaktapur

Kathmandu

Chitwan National Park








Guru in kathmandu

 Sonnenaufgang in Nagarkot


Buddha stupa 








Dienstag, 18. Februar 2014

Tag 26

Bisher war uns in Nepal nur die Sonne bekannt, die uns nach kalten Nächten tagsüber wärmen konnte. Als sich diese jedoch eine mehrtägige Pause gönnte, durften wir erleben was "Eiszeit" bedeutet. Ohne Heizung und mit dauerhaftem Durchzug, versteckten wir uns wann immer möglich unter Schlafsack und Decke im Bett. Während von Tag zu Tag das Bedürfnis nach einer warmen Dusche wuchs - wurde diese immer kälter (warmes Wasser gibt's nur in Verbindung mit ausreichend Sonne auf Solaranlage). So konnten wir uns jediglich zum Abendessen, bei welchem der warme Atem von allen durch die Küche dampfte, überwinden unser warmes Bett zu verlassen.
Anderen schien es ähnlich zu ergehen. So konnten wir in der Schule eine überdurchschnittlich hohe Abwesenheit von Kindern und Lehrern feststellen. Nur ein spontan gezündetes Feuer auf dem Schulhof versprach wärmende Wirkung, bevor man sich auf den Weg in glasfensterlose Klassenräume machte. Als ich mich mit den Zweitklaesslern mit Mützen und dicken Jacken hinter geschlossen Fensterläden und Türen verbarrikadierte, schützte  eine kleine Glühbirne zwar vor der absoluten Dunkelheit, nicht aber vor der Kälte.

Nachdem die dreitägige Eiszeit überwunden war, nutzen wir den aktuellen Feiertag, um nach Nagarkot (bekannt für seine spektakulären Sonnenaufgaenge) zu fahren. Als beim  "local bus" dorthin nur noch das Dach frei war, konnte uns der Busfahrerassistent (Aufgabe: Geld einsammeln & Menschen zusammendrücken, um Transportkapazitaeten zu erhöhen) mit seinem Werbespruch "on the roof you can see nice mountains" - nach kurzem Zögern - überzeugen, aufs Dach
zu klettern. Während mir Sabrina ihre Warnung von ihrem Nepalilehrer "Benutzt nie einen local bus - das ist viel zu gefährlich" mitteilte, überlegte ich ob diese Empfehlung auch für das dem Bus zugehörige Dach galt. Nachträgliche Erkenntnis: definitiv ja! Während einige Nepalesen wie Affen um uns herumkletterten, musste wir unsere verfügbaren Arm- und Beinmuskeln einsetzen, um den Bus bei Schlaglöchern und scharfen Kurven nicht unfreiwillig zu verlassen.
Nach einer Stunde Fahrt (bei ca. 40 Cent Fahrtkosten will man sich dann doch nicht beschweren) waren wir froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und konnten einen Sonnenunter-und aufgang sehen, der die Fahrt wert war. 




P.S. Lebensnotwendige Errungenschaft aus den Bergen: Warme Socken :)

Donnerstag, 13. Februar 2014

Tag 21

Während unser Schulalltag schnell voranschreitet, finden wir trotz eines straffen Tagesplans immer wieder Zeit für Ausflüge. Beispielsweise wenn sich in der Schule ostasiatischer Staatsbesuch ankündigt und dem Schulleiter plötzlich auffällt, dass es mal wieder Zeit wäre, das Schulgelände aufzuräumen. Demnach gab es 2 Tage lang den schulinternen Arbeitsauftrag: Sammelt alles (die Betonung liegt auf: Alles) was hier nicht hingehört und werft es ins Feuer.

Zusätzlich gibt es schulfrei, damit Schüler und Uniform mal wieder richtig gewaschen werden, was meiner Meinung nach regelmäßiger gestattet werden sollte,wenn man bedenkt, dass es meist nur eine Schuluniform, einen freien Tag pro Woche und definitiv keine Waschmaschine gibt.

Die freie Zeit wird von uns genutzt, um unseren kulturellen Horizont zu erweitern. So gingen wir zur heiligen Verbrennungsstaette der Hindus, bei der nach dem Glauben der Hindus der älteste Sohn der Familie das Feuer im Mund des Verstorbenen legt, damit die Seele des Toten aus dem Körper entweichen kann und für die Wiedergeburt frei gegeben wird. Hierbei sehr wichtig, dass die Leiche nach Todeseintritt so früh wie möglich zu einem heiligen Fluss gebracht, gereinigt und von den Angehörigen verabschiedet wird. Während mir diese Prozedur, insbesondere da es sich bei unserem Eintreffen um einen 26-jährigen Mann mit plötzlicher und unbekannter Todesursache handelte, sehr nahe ging (Sabrina reagierte als katholische Religionslehrerin wesentlich abgeklärter), konnte die nachbarschaftliche Hochzeit die Stimmung wieder heben.
Im Besonderes deshalb, weil es sich bei dieser um keine, wie üblicherweise von den Eltern - im Hinblick auf Kaste, Ausbildung und Familienruf - arrangierte Ehe hielt, sondern sich das Brautpaar selbst erwählt hatte. Das Bild des festlich geschmückten Paares, dass während seiner Hochzeit wie Götter behandelt wurde, war so beeindruckend, dass uns die weißen Socken in den blauen nike Sandaletten des Bräutigams nur leicht irritieren konnten.
Nachdem das Brautpaar 7-mal gemeinsam um ein Feuer gegangen war, war es nach dem Glauben der Hindus für die nächsten 7 Generationen - man kann nur hoffen, dass die richtige Partnerwahl getroffen wurde- miteinander verbunden. Dass der Kameramann uns während dieses wichtigen Rituals gefühlte 15 Minuten in Nahaufnahme filmte
empfand ich dann aber trotz der Tatsache, dass wir unter den 700 geladenen Gästen die einzigen Weißen waren, als etwas unpassend.

 Dem Brautpaar werden Hände und Füße gewaschen

Bhaktapur am Abend

Freitag, 7. Februar 2014

Tag 15

Da freitags der einzige Tag der Woche ist, an welchem zwischen 18 und 20 Uhr Strom im Hause ist (Info angelehnt an per SMS zugesandten Stromausfallsstundenplan) und man an diesem Tage auch ohne die sonst genutzte Taschenlampe kochen sowie essen kann, beschlossen wir die seltene, abendliche Helligkeit der Küche zu nutzen und für unsere neue, liebgewonnene Familie zu kochen.
Nach 2 Wochen täglich intensivsten 'dahl bhat' Konsums (Reis mit Linsen und Gemüse variabler Sorte) nahmen wir uns vor, mal etwas Heimisches zuzubereiten. Leider bemerkten wir recht schnell, dass sich unsere deutschen Rezepte kaum mit den Bedingungen unsere hiesigen Küche vertrugen.Abwesenheit von Ofen und  Pfannen sowie familiäre Ablehnung von Fleisch, Fisch und Eiern schränkten unsere Rezeptauswahl stark ein. Daher entschieden wir uns für das, was immer geht: Nudeln mit Tomatensauce.

Zum Einkauf auf nach Bhaktapur war unser wichtigstes Ziel: Vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu Hause zu sein. Eine Herausforderung, wenn man sich nach 3 Uhr mittags auf den Weg macht und sich auf den mündlich weitergegeben Busfahrplan: "Stell dich irgendwann irgendwo an die Straße und warte!" verlässt. Dank zweier Schulmaedchen, die uns für den Rückweg spontan zu sich in den privaten Schulbus einluden, konnten wir jedoch wohlbehalten (was eine neue Bedeutung erhält,  wenn man weiß, dass hier zur Zeit ein wilder Tiger unterwegs ist) zu Hause ankommen und bei elektrischem Licht (wir fühlten uns wie König persönlich) an die Arbeit machen.

Ohne Waschbecken, elektrischem Herd und denen uns sonst bekannten Küchenutensilien, aber mit viel Kreativität und fröhlich-belustigter Unterstützung unseres Gastvaters, konnten wir mit leichter Zeitverzögerung, die sonst schnell zubereitete Speise anfertigen.

Da in unserem Hause aus platztechnischen Gründen, zwei mal hintereinander gegessen wird (üblicherweise erst die Männer, dann die Frauen) und wir als Köchinnen die Verantwortung trugen, das Essen zu verteilen und für Nachschub zu sorgen,  sobald sich der Teller lehrt, hatten wir genügend Zeit die Gesichter der Essenden zu studieren. 
Erkenntnis des Abends: Nudeln sind eben kein Reis.



Dienstag, 4. Februar 2014

Tag 12

Nach mehreren Feiertagen sind wir nun langsam im Schulalltag angekommen. Die Lehrer haben uns sehr freundlich aufgenommen und interessieren sich für die Unterschiede zwischen deutscher und nepalesischer Kultur (besondere Aufregung kam bei der Erkenntnis auf, dass wir mit unseren 29 und 26 Jahren noch immer unverheiratet sind- Eine schier unfassbare Tragödie!) Auch von Seiten der Schüler werden wir freundlich begrüßt. Normale Reaktionen sind: große Augen und unkontrolliertes Kichern.

Bei meinen ausgewählten Kursen war ich mir zunächst unsicher, ob es sich tatsächlich um das Unterrichtsfach Englisch hielt. Die Sprache der Lehrer und Schüler schien eine mir unbekannte Geheimsprache dazustellen, die nur wenige mir bekannte  englische Wörter enthielt. Erst die Schulerbücher outeten das Unterrichtsfach als das mir besagte.
Zusätzlich wird das allgemeine sprachliche sowie akustische Verständnis von der Tatsache erschwert, dass Lehrer sowie Kinder normalerweise gleichzeitig sprechen ('aufzeigen' scheint von keiner dringenden Notwendigkeit). Dies trägt bei einem Kurs von über 40 Kindern zu einer Lautstärke bei, die aufgrund zumeist nicht verschließbarer Türen sowie Lautstärke der Nebenklasse schnell um das doppelte gesteigert werden kann.
In diesem Sinne ein für meine Ohren angenehmes Empfinden, dass einer meiner Kurse aus nur 6 Kindern besteht, da die teuren, allerdings mit einem besseren Ruf ausgestatteten Privatschulen den öffentlichen Schulen die Schüler nehmen.  Zusätzlich stellt es keine Seltenheit dar, dass 30-50 Prozent der Klasse gar nicht erst zum Schulunterricht erscheint,wodurch sich die Anzahl der Kinder im genannten Kurs auch auf 3 reduzieren kann. Als Begründung wurde mir folgendes aufgeführt: Besuch bei Tante bzw. Onkel in den Bergen, ein zu weiter Schulweg oder Arbeit im Haus bzw. auf dem Feld (zusätzlich vermute ich noch starke Müdigkeit am Morgen).
Die Abwesenheit der Schüler scheint jedoch von keinem größerem Interesse, da die Lehrer häufig mit der Unterrichtsimprovisation beschäftigt sind. Verständlich, wenn nur eine Tafel und ein Arbeitsbuch zur Verfügung steht. Falls letztes mal wieder von einem Drittel der Schüler (welches sich vermutlich auf das Drittel der gar nicht erst erschienen Schüler verlassen hat) kein Buch besitzt,  kann die 40-45 minütige Unterrichtsstunde (so genau konnte ich das aufgrund der Abwesenheit eines Klingelzeichens noch nicht ermitteln) auch gerne um 15 Minuten gekürzt werden.

Schulgelände

Kinder bei alltäglicher Morgengymastik 


Samstag, 1. Februar 2014

Tag 8

Elefantenreiten, Kanutour, Dschungelwalk. Weshalb wir bei letzterem 2 Guides (inklusive Bambusstock) in 1 zu 1 Betreuung zugeteilt bekamen,  verstanden wir erst als wir unsere Dschungeleinweisung erhielten:
1)  Elefanten sind angriffslustig. Sollten wir einem Elefanten begegnen, rennt 5 Minuten im zickzack Kurs vor ihm weg, danach wird er aufhören uns zu jagen (ich fragte mich, was passieren würde, wenn der Elefant in diesen 5 Minuten der Schneller wäre)
2) Falls uns ein Bär angreift, müssen wir uns alle eng zusammen stellen, sobald der Bär sieht, dass wir größer sind,  wird er zurückweichen.
3)Wenn wir einen Tiger sehen - schaut ihm direkt in die Augen und weicht langsam zurück. (Schien mir im Vergleich zu Einweisung 1 überraschend einfach)
4) Rhinos werden gefährlich, wenn sie sich bedroht fühlen. Klettert im Falle eines Angriffs mindestens 2 Meter auf einen Baum, versteckt euch hinter einem sehr dicken Baum oder rennt weg. (Hier ist es wichtig zu erwähnen, dass man sich schnell entscheiden sollte)
Nach dieser Einführung machten wir uns, mit dem Wunsch doch lieber keine Tiere zu sehen, auf den Weg in den Dschungel. Keine Stunde später begegneten wir den ersten Rhinos. Erleichtert konnten wir feststellten, dass diese mehr Interesse am Essen als an uns besaßen, sodass Einweisung 4) nicht in Kraft treten musste.